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Guitar Quest 1 - "Band's Odysseys" - Akkorde und Mathematik

Manchmal probt meine Band Sonntags. Normalerweise mag ich das, vorigen Sonntag mochte ich das nicht. Noch leicht angekatert traf ich Sonntag früh gegen 7 Uhr abends im Proberaum ein, mehr aus Disziplin als aus Motivation, aber der Appetit kommt ja bekanntlich beim Essen.
Meine Stimme war eh noch nicht wieder im feinsten Stadium, und obwohl ich zuvor viel Flüssigkeit zu mir genommen hatte, so war es offenbar nicht die richtige welche, um die Vocal Folds hinreichend zu hydrieren. Sei's drum, nennen wir es Rock.

Unser Gitarrist kommt bisweilen öfter mit 3-4 Gitarren im Proberaum an. Warum erklärt er eigentlich häufig, meist bevor er eine spezifische davon einsetzt. Eine davon ist tiefer gestimmt, so weit leuchtet mir das noch ein. Was die anderen für manche Songs geeigneter macht als die vorige entzieht sich noch immer meiner Kenntnis, obwohl ich überzeugt bin, ich müsste es vermutlich mittlerweile verstanden haben. Vorigen Sonntag kam er allerdings mit einer weiteren Gitarre an. Mein engerer Freundeskreis hat das Klagelied bereits von mir gehört. Diese war - ganz untypisch - rechtshändiger-geeignet, und dazu brachte er einen staubigen, kleinen Amp, und ein Korg-Brett mit 3 kleinen Pedalen in einer Notebooktasche. Das alles wurde vor mir ausgebreitet, gestimmt, und während man mir das historische Teil umgurtete deklarierte man: "What's Up musst du jetzt selber spielen, da Frank nicht mehr dabei ist, sonst fehlt da was." .
Ich bin verwirrt. Aktuell spielen wir alle Lieder auch ohne Zweitgitarristen, die meisten davon klingen besser als vorher. Ich kann mir nicht recht vorstellen, dass auch nur eines davon profitieren sollte, wenn ich etwas anderes dazu beitrage als zu singen.
Doch die Demonstration beweist: Das Lied klingt mit einer Gitarre tatsächlich ganz schön blöd. Ich bin nicht vollends überzeugt. Ich argumentiere: "Das kann doch gar nicht sein. Wenn ich mich recht erinnere waren das in der Originalbesetzung doch auch nur 3 Leute, die 4 Non Blondes... oh..." .
Nachdem man damit fertig ist, mich auszulachen, will man einfach anzählen. Ich unterbreche schnell und argumentiere weiter: "Ich kann nicht Gitarre spielen!" . Man behauptet, man habe mich dieses Lied bereits spielen sehen. Ich muss eingestehen, die Akkorde zu wissen. "Spielen sehen" allerdings umfasst in meinem Fall: Schraddeln der Akkorde auf Akustikgitarre (!), unter kontinuierlichem Bundstarren, mit Griffwechsel-Pausen von bis zu 2 Sekunden (beim G auch schon mal mehr) und anschließendem Nachjustieren bis' nich' mehr knarzt.
Ich sehe mich außerstande, das on the fly im angezählten Tempo und im Zusammenspiel der Restband umzusetzen, dazu noch urplötzlich im Stehen und auf E-Gitarre. Interessiert aber keinen. Man zählt so lange vor, bis ich anfange. Schön. Von mir aus.
Die Nummer geht voll in die Hose. Wenn ich Bundstarre kann ich nicht ins Mikro singen (dazu müsste ich den Kopf grade halten), wenn ich singe vergesse ich umzugreifen, wenn ich ins Mikro singe und mich ans Umgreifen erinnere kann ich nicht bundstarren und greife wahllos irgendwas, was nicht zwangsläufig in der Nähe von den Tönen liegen muss die die anderen spielen.
Wir ziehen das trotzdem durch. 2 mal. Nach dem ersten "Durchlauf" werde ich erneut einstimmig ausgelacht mit den Worten "Haha! Wo ist denn deine ganze SOUVERÄNITÄT hin? Du stehst ja da wie so ein Blümchen!" . Bevor ich nervlich zusammenbrechen kann zählt der Schlagzeuger schon wieder vor.

Mit Verweis auf unseren bevorstehenden, ersten Auftritt (1. Juni, Weyhe, schreibt es euch hinter die Ohren!) in der Art von "Wir sind jung und brauchen das Programm", und mit den motivierenden Worten "du machst das schon" packt man mir das Equipment ein: "Nimm mit nach Hause. Üb."
Der Rest der Probe verlief zwar ungewohnt müde und rau-stimmig, aber doch mit gewohnter Souveränität, da man mich wieder mit Equipment hantieren lässt mit dem ich mich wohler fühle.

Nun habe ich diese Möhre hier zu Hause, und übe - wie mir aufgetragen ward.
Wenn ich mir in manchen Bereichen vielleicht musikalisches Geschick unterstellen lassen würde - im Umgang mit Saiteninstrumenten bin ich ungefähr so grazil wie... dafür gibt es eigentlich keine passende Analogie.

Gitarre macht mich irgendwie hirntot, merke ich. Ich erwische mich dabei, wie ich etwa 40 Minuten lang ununterbrochen das gleiche Lied übe - absurderweise nicht mal das Lied, um das sich der ganze Wirbel dreht. Das dreht sich so schön im Kreis, die Gedanken driften ab über Gott und die Welt, und ehe man sich versieht ist die Zeit weg, die Finger tun weh, und ich konnte nicht umher, das noch mal mathematisch nachzuvollziehen.

40 Minuten üben, bei einer etwaigen Geschwindigkeit von 85 BPM macht etwa 3400 Beats, im 4/4 Takt.
Ich spiele pro Takt 9 Anschläge, macht also 3400 Beats x9 Anschläge, geteilt durch 4 = 7650 Anschläge. Heilig's Blechle! Das noch aufgeteilt auf die 4 Akkorde, will meinen, dass ich heute Abend ungefähr 1912,5 mal jeweils E-Moll, verkrüppeltes C, verkrüppeltes G und verkrüppeltes D gespielt habe.

Das wirft in meinem Kopf die Frage auf, wie lange Hirn und Muskeln wohl brauchen, bis sie sich merken können, wo sie hinsollen.

Wer bis hierher gelesen hat, darf das Lied erraten, um eine sagenhaften Preis zu gewinnen.

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About Katja Lauer

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