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Cosplay im Wandel der Zeit: 2001-2013

Dieser Post dreht sich über mein langjähriges Cosplay-Hobby & die dazugehörige, deutschsprachige Community.
Das soll übrigens absolut kein Rant oder Szenebashing werden, mir sind nur in der langen Zeit wirklich viele Veränderungen aufgefallen - nicht nur negative - die ich zu digitalem Papier bringen will.

Cosplay in Deutschland im Wandel der Zeit



Die Masse macht's!

Früher waren wir wenige, und wir kannten uns. Wie stark sich die Community in den letzen gut 10 Jahren vergrößert hat ist enorm. Wenn man in 2002 Cosplay betrieben hat musste man wirklich jedem Externen erklären, was das eigentlich ist, und kam erst recht nicht an der Frage vorbei, was das alles soll.
Heute gibt es nicht nur viel mehr Cosplayer in Deutschland, sondern auch noch eine viel größer gewachsene Zahl an Leuten, die wissen, was Cosplay ist. Das finde ich eine tolle Wendung. Ich habe auch den Eindruck, dass viele Nicht-Cosplayer großen Respekt entwickelt haben im Bezug auf die (teilweise umwerfenden!) Arbeiten der Cosplayer. Was früher oft als Quatsch, Geldverschwendung und komischer Japan-Kram betrachtet wurde, ist heute in den Augen von immer mehr Menschen ein interessantes, außergewöhnliches Hobby, mit respektablen Anteilen an Handarbeit und Kreativität.
Schade daran ist, dass auch eine gewisse Anonymisierung damit einhergeht in der Community der Cosplayer.



Anonymität

Es ist heute einfach gar nicht mehr möglich, gefühlt "jeden" zu kennen. Ging man 2002 auf eine der wenigen Conventions, kannte man einen Großteil der Leute, die man dort sah, und lernte unweigerlich immer neue Leute kennen, die ähnliche Interessen hatten / Games oder Serien mochten.
Heute ist das in der Menge der Leute schwieriger geworden. Um Leute kennenzulernen muss man schon aktiver vorgehen als vorher, denn die initiale Verbindung, ein so seltenes Hobby zu teilen, gibt es nicht mehr. Das Hobby ist gar nicht mehr so selten. Es war damals auch üblich, auf Conventions so ziemlich jedes Kostüm zu fotografieren, das man irgendwie mochte oder das aus einer Serie stammte die man besonders gern hatte.
Ich war in 2011 seit langer Zeit mal wieder auf einer Convention, und erstaunte mich über die Verwirrung die bisweilen manchmal entstand, wenn ich Fremde Personen bat, ein Foto von Ihnen machen zu dürfen. Heute ist das offenbar nicht mehr so üblich, habe ich gelernt. :)
Ich glaube "fotografiert werden" war damals ein bisschen das Gegenstück zum "Like-Button" von heute. Wenn du auf einer Con besonders häufig nach einem Foto gefragt wurdest wusstest du, dass dein Kostüm gut ankommt. ;)
Heute gibt es Fanpages, Cosplay Communities und vieles weitere mehr im Netz, und die Cosplayer selbst stellen die Fotos von sich im Kostüm, die ihnen am besten gefallen, der Community zur Verfügung. Es ist also überflüssig geworden, alles selbst abzulichten, was einem gefallen hat. Man muss es nur im Netz wiederfinden. ;)

Fotografie-Professionalität

Immer wieder komplett erstaunt bin ich über die Qualität, die Fotos auf Cosplay-Portfolios heutzutage haben. Und dabei spreche ich nicht nur von den "Riesen", mit Facebook-Likezahlen im fünfstelligen Bereich. Auch viele "Cosplay-Normalos", und das meine ich keinesfalls abwertend, haben heute erstklassige Fotos.
Früher sah man häufig jemanden relativ hilflos dreinblickend dastehen, mit einem doch recht stolzen Leuchten in den Augen, jedoch möglichst so, dass man das Kostüm ganz sehen konnte, ohne besondere Rücksicht auf Hintergründe, Lichtverhältnisse oder Posing.
Heute findet man so gut wieder überall qualitativ hochwertiges Bildmaterial, in manchen Fällen (Facebook-Beispiel: "Dennis Kreativlos") sogar regelrechte Kunstwerke.
Cosplayer machen für ihre Kostüme eigene "Shootings", manchmal sogar mit professionellen Fotografen, viel Vorbereitung, professionellem Makeup und Stying und fachgerechter Nachbearbeitung. Wo man früher nur so "dastand" oder vielleicht noch versuchte eine Pose der personifizierten Figur zu imitieren, gibt es heute mehrere Stunden Blitzlichtgewitter, Reflektoren, und ausgefeiltes Posing um sich ins rechte Licht zu rücken.
Ein großartiges Beispiel hierfür liefert Calssara Cosplay (Facebook: Calssara Cosplay, Foto mit freundlicher Genehmigung) an Bildern von 2004 und 2012 - seht selbst:
(c) Calssara Cosplay

Finde ich eine ganz tolle Entwicklung. Schließlich fließen in die Kostüme oft Wochen und Monate an Arbeit und große Summen an Geld. Die Präsentation in Form der Fotos hat sich also ganz zum positiven hin entwickelt, so dass der Zauber des Kostüms auch nach den seltenen Gelegenheiten des Tragens noch weiter bestehen bleibt! Große klasse!

Detailgrad der Kostüme

Nicht zuletzt wegen der enorm gestiegenen Möglichkeiten wird der Detailgrad umgesetzter Kostüme stetig höher. Wo man sich früher manchmal noch mit "irgendwie so ähnlich" zufrieden gab (nicht zuletzt, weil der Markt gar nicht so vieles bot, um Kostüme zu perfektionieren), sind heutige Cosplays oft bis ins winzigste Detail den Vorlagen nachempfunden.
Ich erinnere mich noch an 2002, wo man mit einem Kostüm bereits positiv auffiel, wenn man sich die Mühe machte eine Perrücke in der passenden Farbe zu besorgen. Das war damals auch noch bedeutend schwieriger als heute, da man kaum Perücken bekam in Deutschland, schon gar keine bunten, abseits der Faschingszeit - und die Faschingsperücken waren meist von miserabler Qualität. Man musste sich über ausländisches eBay versorgen, oder großes Glück haben. Heute gibt es eigene Läden die sich auf Cosplayer-Bedarf spezialisieren (bekanntestes Beispiel: myCostumes), wo es nicht nur vollständige Kostüme zu kaufen gibt sondern auch eine vielzahl an Perücken in allen Farben, farbige Kontaktlinsen, Werkstoffe und Baumaterialien der verschiedensten Arten, und viel Zubehör & Farben aus dem Theaterbereich.
Bei manchen Vertretern der Cosplay-Community vermischt sich der Cosplayer auch mit dem Künstler, wenn man sich besonders imposante Vertreter(innen) der Gattung Nachtelfe, Troll oder sogar noch viel abstrakterer Fabelwesen anschaut. :)

Bauen statt Nähen

Die Zahl an Rüstungen, Accessoires, Stäben, Schwertern, Schilden und vielem mehr hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen.In den frühen 2000ern bestanden die meisten Kostüme aus Stoff, oftmals aus Ermangelung an Alternativen die lokal zu finden waren, nur günstige Faschingsstoffe. Heute beschäftigen sich viele, und vor allem viele sehr erfolgreiche, Cosplayer mit Rüstungsbau aus thermoplastischen Werkstoffen. So wenig mir persönlich diese Materie auch liegt (ich bleibe lieber näher an der Nähmaschine - haha, Wortspiel!) , ich finde es irre beeindruckend, diese Arbeiten zu verfolgen. Alleine das Konzept einer aufwändigen Fantasy-Rüstung würde mich vollends überfordern. Mit welcher Hingabe zum Detail einige Cosplayer heute Rüstungen formen und bauen, schleifen und bemalen, fasziniert mich sehr.

"Cosplay-Celebrities"?

Diese gabe es - glaube ich - auch schon früher. Auch als die Community noch kleiner war, erinnere ich mich an einzelne Cosplayer und Cosplayerinnen, die mit besonderem Auge für's Detail, aufwändigeren und besseren Fotos und besonderem Aufwand einfach auffielen. Diese Leute genossen auch damals schon - ohne Facebook & co als Messlatte - eine Art Celebrity-Status in der Szene - will heißen: sie hatten einfach einen höheren Bekanntheitsgrad, meist da sie sich besonders aus der Masse hervorhoben.
Heute, mit der insgesamt bedeutend höheren Verbreitung und Bekanntheit des gesamten Hobbies, ist die Aufmerksamkeit auf einzelne Cosplayer umso mehr gestiegen.
Freudig blicke ich auf die Tatsache, dass die in meinen Augen bekanntesten, deutschen Cosplayerinnen und Cosplayer sich größtenteils über großartige Skills und sehr aufwändige und imposante Kostüme, Bauten & Detailgrade auszeichne, und darüber ihre Bekanntheit erlangen.
Ich kenne einige Beispiele, vor allem aus den USA, bei denen ich häufig enttäuscht bin wie wenig akkurat und schlecht verarbeitet manche Kostüme sind, bei Fanpages deren Like-Zahlen sich sogar im sechsstelligen Bereich bewegen. Auffällig ist, dass auf annähernd jedem einzelnen Foto dieser Fanpages große Oberweiten, viel Ausschnitt und falsche Wimpern zu sehen sind. Das soll jetzt nicht falsch ankommen - gegen nichts dergleichen habe ich Einwände, und all diese "Features" helfen oft, ein gutes Kostüm noch mehr zu unterstreichen und zu perfektionieren. Meine Achtung sinkt nur dann, wenn bei entsprechenden Pages außer diesen rein körperlichen Merkmalen der Cosplayer kaum etwas nennenswertes zu finden ist. Konkret lassen vor allem die Verarbeitung und die Detailgrade der Kostüme zu wünschen übrig. Diese Seiten treffen meist nicht so sehr meinen Geschmack, da für mich ein großer Teil des Hobbies doch beim "Craftsmanship" liegt, und ich die Vermarktung mäßiger Arbeiten ohne viel Liebe zum Detail über den Einsatz von viel nackter Haut einfach nicht besonders hoch schätze.
Es gibt aber natürlich aus den USA auch andere Beispiele - besonders "impressive" sind zB Cosplayerinnen, die beides können: Haut zeigen & tolle Kostüme machen. Schöne Beispiele sind etwa "Yaya Han" oder "Jessica Nigri" (1 Mio. Follower!) , die sich ihre Likes nicht nur über ihr attraktives Äußeres sondern auch über großartige Arbeiten verdienen.
Umso schöner finde ich es, dass unsere deutschsprachigen, most-geliketen Helden & Heldinnen allesamt sehr grandiose Kostüme zu bieten haben. Thumbs up!

Und das Fazit?


Dinge haben sich geändert, ja. Aber so schlecht, wie sie manchmal geredet wird, ist sie doch gar nicht, unsere Cosplay-Community? :)

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About Katja Lauer

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