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Kleine Gedanken zur Vorratsdatenspeicherung

Ich bin kein Jurist. Ich möchte das Thema daher eher anders beleuchten.

Vorratsdatenspeicherung. Das klingt doch gar nicht so schlecht. Vorrat. Vorrat ist etwas gutes. Der Herbst ist da, danach kommt der Winter. Vorräte zu haben ist gut. Wenn man etwas braucht ist noch etwas da. Speicherung von Vorrats-Daten. Ein Daten-Vorrat, falls ich mal Daten brauche.

Man könnte das ganze auch anders nennen.
Wie würden die Menschen darüber denken, hieße es "All-Meine-Privaten-Daten-Speicherung-Und-Auswertung". Das klingt nicht mehr so gut.
Oder "Meine-Telefonate-Speicherung-und-Zuhörung". Oder "Überwachung-Und-Nachvollziehbar-Machung-Wann-Ich-Mich-Wo-Aufgehalten-Habe".
Zugegeben, die Namen sind zu lang.

Trotzdem ist es genau das, worüber wir sprechen. Der euphemistische Name täuscht uns gerne darüber weg. Der gute Vorrat nämlich ist es, der plötzlich eine ganze Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen versucht.

Und wenn diese Daten erst einmal gespeichert sind, wer garantiert mir, dass diese nicht zweckentfremdet werden? Payback zum Beispiel. Die fänden so vollumfängliche Daten, ausführlich, und über jeden von uns, sicher sehr nützlich. Ich nehme an, dafür würden diverse Unternehmen viele Taler auf den Tisch legen.
Einwurf: Ich habe nichts gegen Payback. Ich habe mein Kärtchen und scanne es brav bei jedem Einkauf, kassiere meine Pünktchen, und bekomme gelegentlich 10 Euro geschenkt für die ich mir Badesalz kaufe. Das gebe ich so preis, und das tue ich gerne.
ABER: Ich habe mich entschieden das zu tun, und ich bin fest davon überzeugt, dass die Entscheidung über den Umgang mit persönlichen Daten bei jedem einzelnen von uns liegen sollte.
Und sonst nirgends.

Bis vor kurzem war ich auch Facebook befreundet mit "Helena Kirschkuchen". Befreundet sind wir noch immer, doch Helena heißt jetzt anders. Realname. Wollte Facebook wohl so.
Ich mochte Helena Kirschkuchen. Nicht nur, weil das Lesen des Namens mich immer an Kuchen erinnert hat. Es war ein Statement. Kirschkuchen sagte aus: "Ich möchte nicht, dass jeder mich finden kann". Kirschkuchen war das Facebook-Äquivalent davon, die eigene Telefonnummer nicht ins Telefonbuch eintragen zu lassen.
Nicht jeder Mensch möchte, dass er von jedem gefunden (oder angerufen) werden kann. Und ich finde das ok.

Die Vorratsdaten-Speicherung würde viel mehr tun als nur die Telefonnummer ins Telefonbuch eintragen. Es würden alle überwacht, getrackt und abgeheftet - nur weil das einzelne eventuell überführen könnte. KÖNNTE.

Und hinter all den Diskussionen nehmen wir immer an, diese Daten wären irgendwo sicher verstaut. Aber dieses Bild muss ich euch leider zerstören. Da wo Daten sind, da können diese gestohlen und missbraucht werden. Ich muss das hier nicht weiter belegen - schaut euch die vielen "Skandale" an von entwendeten Daten, Passwörtern, Kreditkarteninformationen.
Sich vorzumachen es sei etwas anderes, weil Daten bei "Providern" liegen, ist Unsinn. Internet - wenn man es auf das wesentliche herunterbricht sind das vernetzte Computer. Sonst nichts. Und da diese vernetzt sind, kann man, kritisch betrachtet, auch an die Daten ran. Irgendwie.
Ich sage nicht, dass das leicht ist. Aber es ist sicher irgendwie möglich. Wir legen unsere Daten, diese gefühlte Sicherheit, in die Obhut von großen Unternehmen, die schon mehrfach beweisen mussten, dass auch sie nicht unfehlbar sind.

Selbst wenn - was ist schon dabei? 

Ein Beispiel. Es soll nun gespeichert werden, wer wann von wo aus telefoniert hat. Die Rede ist von Bewegungsprofilen. Nicht schlimm, ich habe nichts zu verbergen?
Aber wenn jemand herausfinden kann wo du gerade bist, dann kann er daraus auch ableiten, wo du gerade nicht bist. Wenn es eine Möglichkeit gibt herauszufinden, dass du gerade in Kuba vom Strand aus telefonierst, oder chattest, dann kann man daraus ableiten, dass du nicht zu Hause bist.
Dort stehen aber dein PC, dein Fernseher, und sonstige Wertsachen...

Mit deinen Facebook-Freunden deine Urlaubsfreude zu teilen ist eine Sache. Das sind Leute die du zumindest entfernt kennst. Aber würdest du im örtlichen Supermarkt an der Pinnwand einen Zettel aufhängen, auf dem steht "An Adresse SoUndSo ist von dann bis dann niemand zu Hause." ...
Ich auch nicht.

Haben wir nichts gelernt?

Wann in unserer Vergangenheit haben Angst und Überwachung jemals zu etwas Gutem geführt?


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About Katja Lauer

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